Pfandbehälter für Essen-to-Go – gut für die Umwelt, den Geldbeutel und das Image

Auf einer Informationsveranstaltung haben Anbieter von Mehrweglösungen im Januar Gastronomen über ihre Systeme informiert

In Zeiten der Corona-Pandemie ist Außer-Haus-Verkauf von Essen gefragter denn je. Doch oft bringt dies viel Verpackungsmüll mit sich, der vermeidbar ist. In Deutschland entsteht jährlich eine gigantische Abfallmenge von mehr als 280.000 Tonnen durch Verpackungen im To-Go Bereich.

Mehrweg-Verpackungen sparen nicht nur eine Menge Müll, sie sparen auch eine Menge Geld, die sonst für Einwegverpackungen anfallen. Damit sind Mehrwegverpackungen ökologischer und ökonomischer!

Leider hat in Zeiten von Corona die Bedenken vieler Menschen bezüglich Hygiene stark zugenommen. Lebensmittelhändler trauen sich nicht mehr, mitgebrachte Kunden-Behälter zu befüllen. Doch selbst der Lebensmittelverband beschreibt auf seiner Seite, dass es auch im Lockdown möglich ist, eigene Behältnisse für das Essen-zum-Mitnehmen mitzubringen. Dazu müssen lediglich die Regeln der Lebensmittelhygiene beachtet werden. Mehr dazu…

Mehrwegpflicht für die Gastronomie ab 2023

Dazu kommt, dass ab 2023 Gastronomen gesetzlich verpflichtet werden, ihre Produkte auch in Mehrwegverpackungen anzubieten. Dieser Vorstoß der Bundesregierung wird bereits heute von viele kleineren Gastronomen, vor allem aus den Segmenten „Bio“ oder „Vegan“ angeboten. Entweder befüllen sie mitgebrachte Behälter, bieten selbst gegen Pfand Behältnisse zum Mitnehmen an oder haben sich einem Pfandsystem angeschlossen.

Für Gastronom*innen ist das eine leicht einzusetzende Lösungen, die dafür sorgen könnte, dass bis 2023 dieses Gesetzt eigentlich schon überflüssig ist. Mehrwegpfandsysteme helfen den Restaurantsbetreiber*innen bares Geld zu sparen, denn sie zahlen für diese Behälter nur einen Bruchteil dessen, was sie für Einwegverpackungen zahlen würden. Viele geben diese Ersparnis auch gleich an ihre Kunden weiter und geben einen Rabatt, wenn Mehrweg-Gefäße benutzt werden.

Es gibt noch andere Gründe, zu Mehrwegpfandbehälter zu greifen: Pfandbehälter sind auch immer ein Kundenbindungsinstrument. Wer bereits eine Pfandschüssel zuhause oder im Büro hat, wird sicher häufiger zurückkehren, um wieder an sein Pfand zu kommen. Zudem ist es ein Zeichen, dass den Gastronom*innen die Umwelt am Herzen liegt.

Damit sich die Gastronom*innen einen Überblick über die bestehenden Systeme machen können, hat der Augsburger Umwelt- und Gesundheitsreferent Reiner Erben und die PLASTECO-Projektsteuerungsgruppe am 20. Januar in einer virtuellen Veranstaltung verschiedene Mehrweg-Lösungen für Take-away Essen vorgestellt.

Pfand oder App 

Es gibt Systeme, bei denen die Gastronomie durch eine Teilnahmegebühr und durch den Erwerb der Pfandgefäße in Vorleistung gehen müssen und Systeme, bei denen nur Gebühren anfallen, wenn das Pfandgefäß tatsächlich verwendet wird.

So verlangt Rebowl aus München, die bereits mit vielen Verteilerstellen des Recups in Augsburg vertreten sind, 1 Euro pro Tag Teilnahmegebühr. Wer bereits das Recup-System nutzt, muss nichts extra bezahlen. Ansonsten kostet ein Gefäß 5 Euro Pfand, das jedoch für das Restaurant ein durchlaufender Posten ist und zurückerstattet wird, wenn die Schüsseln wieder zurückgesendet werden.

Mehrwegsystem Rebowl

Auch bei Recircle, einem Anbieter, der bereits seit vielen Jahren in der Schweiz erfolgreich vertreten ist, wird auch einmal 8,40 Euro für die Pfandbox fällig. Für die Kund*innen beträgt das Pfand für die vier unterschiedlichen Boxen 10 Euro. Die Gastronomiebetriebe zahlen dann für die Nutzung der Box jeweils 13,5 Cent. Das Material ist eine speziell für Gastrobetriebe hergestellte Mischung aus Polypropylen und Glasfaser, die vor Kratzer schützt. Sie soll in einem eigenen Kreislauf wieder recycelt werden. Das heißt, wenn nach einer Nutzung von etwa 200 Mal, das Gefäß ausgetauscht wird, können aus dem Material wieder neue Boxen gefertigt werden.

Das Konzept von ReCIRCLE

Ebenfalls pro Nutzung werden die Pfandschüsseln von Vytal, einem Startup aus Köln, verrechnet. Das System basiert auf einer App. Wer eine Pfandbox mitnimmt registriert sich erstmalig in der Vytal-App. Das System speichert dann die Box auf dem jeweiligen Account. Nun hat der/die Nutzer*in 14 Tage Zeit, um die Box zurückzubringen. Erst dann fällt ein Pfand von 10 Euro an.

To-Go-Mehrweg mit VYTAL

Doch auch aus Augsburg kommt eine eigene Idee. Der Boxbote bietet ein System an, bei dem Tiffin-Boxen zum Einsatz kommen. Derzeit läuft eine Projektphase vor allem mit Firmenkunden, die regelmäßig bestellen. Dabei ist Boxbote dann der Bote, der die gespülten Tiffinboxen wieder zurück in die Restaurants bringt.

Das Augsburger Unternehmen Boxbote

Pfandsysteme aktiv anbieten

Erste Erfahrungen haben Augsburger Gastronomiebetriebe bereits gemacht. So verwendet das 2er Kolping-Café bereits seit einiger Zeit das REBOWL System. Martin Scherer, gastronomischer Betriebsleiter, weiß aber auch, dass man das System aktiv anbieten muss. Von alleine kommt nur wenig Nachfrage. Wer aber einmal das Pfandsystem genutzt hat, ist jedoch begeistert. 

Ähnliches weiß Daniel Debus vom veganen Restaurant „Nude Food“ zu berichten. Er arbeitet mit Vytal zusammen und bietet die Boxen bei der Bestellung aktiv an. Er hat sehr gute Erfahrungen gemacht: Die Boxen werden sehr gut angenommen und kommen auch schnell wieder zurück.

Auch Oliver Hüttenmüller, Wirt der Kulperhütte ist in Sachen Mehrweg sehr engagiert dabei. Er hat die Erfahrung gemacht, dass es darauf ankommt, wie man den Gästen die Mehrweglösung anbietet. Er empfiehlt, die Menschen nicht vor die Wahl zu stellen, ob Mehrweg oder Einweg, sondern direkt zu fragen: „Darf ich es in einem Mehrwegbecher geben?“ Dazu sagen die Leute zu 90 Prozent ja. Er wünscht sich eine Augsburger Abgabe für Einweg und möchte sich gerne in einem Vernetzungstreffen für Gastronomen, die Mehrwegsysteme nutzen, austauschen. 

Fazit

In der Augsburger Gastronomie herrscht ein großes Interesse an einem nachhaltigen Pfandsystem. Ebenso haben die Kund*innen großes Interesse solche Systeme zu nutzen. Und so fasst es Norbert Stamm vom Büro für Nachhaltigkeit zusammen: „Wir wissen, dass wir Lösungen haben. Was wir brauchen ist mehr Bekanntheit“.

Einen Überblick über alle Mehrweg-Pfandmöglichkeiten gibt es auch unter: https://mehrwegstatteinweg.life-online.de/pfandsysteme

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