„Das Verbot von Einwegplastik ist ein guter Anfang“

Wir vom Forum Plastikfrei begrüßen das Verbot von Strohalmen, Styropor-Behältern und Plastiktellern. Das ist ein erster Schritt, um die Vermüllung unserer Natur mit den kaum abbaubaren und gesundheitsgefährdenden Kunststoffen einzudämmen. 

Am 3. Juli ist es endlich soweit: Das EU-Gesetz zum Einwegplastik wird auch in Deutschland umgesetzt. Das heißt, Hersteller dürfen keine Lebensmittel- und Getränkebehälter aus Styropor mehr produzieren. Ebenso darf kein Besteck, keine kosmetischen Wattestäbchen, Luftballonstäbe, Rührstäbchen, Teller, Schalen und Trinkhalme aus Plastik mehr hergestellt werden. Weitere Artikel müssen dann ein spezielles Label tragen, das vor Umweltschäden durch weggeworfenes Plastik warnt. Dazu gehören Hygieneprodukte, To-Go-Becher mit Kunststoffbeschichtung sowie Tabakprodukte mit kunststoffhaltigen Filtern.

„Das ist ein wichtiger Schritt zur Abschaffung von unnötigen Plastikartikel zum einmaligen Gebrauch,“ so Sylvia Schaab, Sprecherin des Forum Plastikfrei: „Plastikgeschirr und Trinkhalme sind leicht durch weniger umweltschädliche Produkte aus nachwachsenden und abbaubaren Rohstoffen zu ersetzen.“ Die jetzt verbotenen Einwegplastikgegenstände sind auf der roten Liste gelandet, da sie laut EU-Kommission zu 70 Prozent an Stränden gefunden werden. Sie zersetzen sich in der Natur nur sehr langsam und zerfallen über die Zeit in Mikroplastik. Das ist gefährlich für Tiere, die Plastikteile als Nahrung aufnehmen, sie aber nicht verdauen können und dadurch verhungern. „Wenn also diese Dinge nicht mehr in der Natur landen können, dann schützt das unsere Umwelt“, meint Schaab.

Die Expertin für einen nachhaltigen Lebensstil ist jedoch der Ansicht: „Besser als solche Einwegprodukte aus nachwachsenden Materialien herzustellen, wäre sie mit einer Mehrweglösung zu ersetzen. Denn auch für andere Einwegprodukte werden eine Menge Ressourcen und Energie verbraucht. Wollen wir wirklich unsere Bäume fällen, um ein Rührstäbchen für unseren To-go-Kaffee zu haben? Wir plädieren daher für Mehrweglösungen und Pfandsysteme in der Gastronomie und im Handel. Jede*r soll die Möglichkeit haben, die eigene Verpackung mitzubringen oder sich gegen Pfand ein entsprechendes Gefäß mitzunehmen. Das spart eine Menge Ressourcen und sorgt für einen dauerhaften Rückgang von Müll.“

In den vergangen Jahren sind unsere Müllberge immer größer geworden. Im Jahr 2018 wurde in Deutschland mit 417,2 Kilo Müll ein Höchststand erreicht und die vergangenen Monate haben durch die Kontaktbeschränkungen mit viel Online-Versandhandel und das viele Essen zum Mitnehmen noch einmal für mehr Abfall gesorgt. „Daher appellieren wir gleichermaßen an Verbraucher*innen und die Gastronomie, diesen Schritt konsequent zu Ende zu gehen und  verstärkt auf Mehrweg-Verpackungen zu setzen“, so Schaab.

Bioplastik ist nicht biologisch

Gut ist, dass auch Gegenstände aus Bio-Kunststoff verboten werden. Diese Art von Plastik suggeriert eine Abbaufähigkeit, die so nicht vorhanden ist. Bei biobasiertem Plastik wird Erdöl durch nachwachsende Rohstoffen wie etwa Maisstärke ersetzt. Das Endprodukt hat die selben Eigenschaften wie Kunststoff aus Erdöl: Es ist langlebig und zerfällt in der Natur zu Mikroplastik – sprich Bioplastik geht ebenso wenig in den Naturkreislauf ein wie Plastik aus Erdöl. Zudem ist der Anbau von Mais aufgrund seiner Monokultur und dem Einsatz von Pestiziden höchst umstritten. 

Ähnlich problematisch ist bioabbaubares Plastik, dessen Abbau in der Natur nicht sichergestellt ist. Auch in unseren Kompostier- und Biogasanlagen werden solche Bio-Kunststoffe nicht vollständig zersetzt und landen dann als Mikroplastik über den Kompost wieder auf unseren Feldern. Biokunststoff ist also in der Regel weit von „bio“ entfernt.

Auch wenn das Verbot von Einwegplastik ein wichtiger Schritt zu weniger unnötigem Plastik in unserer Gesellschaft ist, so müssen doch zeitnah die anderen großen Einbringer von Kunststoffen in die Umwelt angegangen werden. Einer aktuellen Studie des Umweltbundesamtes zufolge, stammt ein Großteil des Kunststoffes, der langfristig in der Umwelt verbleibt, aus ganz anderen Quellen: nämlich aus Reifenabrieb, von landwirtschaftlichen Folien, Baufolien, Spiel- und Sportgeräten wie Kunstrasenplätzen, Farben oder Textilien. „Hier anzusetzen wäre ein logischer nächster Schritt für die Politik“, so Schaab.

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