Alternativen für erdölbasiertes Plastik für Unternehmen

Das 5. PLASTECO Stakeholdertreffen beschäftigte sich mit dem Thema Alternativen für fossile Primärkunststoffe in den Wertschöpfungsketten regionaler Unternehmen

Seit rund zweieinhalb Jahren gibt es das Interreg Europe Projekt PLASTECO nun in Augsburg. Dabei werden Projekte angestossen, die unsere Region aus der Abhängigkeit von erdölbasierten Kunststoff befreit und dafür sorgt, dass weniger Plastikmüll produziert wird. Ab Sommer werden dann die Ergebnisse der dreijährigen Projektfindungsphase umgesetzt.

Um den Beteiligten noch einmal die Chance zu geben, sich auszutauschen und Wissen zu erwerben, veranstaltete der Umweltcluster am 25.01.2022 das fünfte regionale Stakeholdermeeting mit vielen Teilnehmern aus der Region Augsburg. Neben der Vernetzung von regionalen Stakeholdern, lag dieses Mal der Fokus auf Unternehmen. Es ging bei dem Treffen um das Thema „Alternativen zu fossilen Primärkunststoffen in den Wertschöpfungsketten regionaler Unternehmen“. Bei der abwechslungsreichen und spannenden Veranstaltung berichteten die Expert*innen über mögliche Kunststoff-Alternativen wie Rezyklate und Biokunststoffe sowie das Thema Circular City – also Kreislaufstadt.

Warum fossile Primärkunststoffe ersetzen und welche Alternativen gibt es

Den Auftakt für das Treffen machte Nora Jähnchen vom Ressourceneffizienz-Zentrum Bayern mit ihrem Vortrag „Warum fossile Primärkunststoffe ersetzen und welche Alternativen gibt es“. Dabei machte sie nicht nur auf die aktuelle Rohstoffknappheit, sondern auch auf die gesetzlichen Veränderungen in der Kreislaufwirtschaft von Kunststoffen aufmerksam. Fossile Primärkunststoffe, also Polymere , die direkt aus dem fossilen Energieträger Erdöl hergestellt werden, unterliegen den Schwankungen des Ölpreises und auch dessen Verfügbarkeit. Die EU-Kunststoffstrategie sowie der Koalitionsvertrag möchten dem immensen Kunststoffaufkommen gegensteuern. So sollen laut EU bis 2030 alle Verpackungen kostengünstig recycelt werden können und dies soll auch beim Produktdesign beachtet werden. Zudem wird im Koalitionsvertrag ein Qualitätsstandard für Rezyklate gefordert sowie ein Fondsmodell zur Belohnung von ressourcenschonendem und recyclingfreundlichem Verpackungsdesign und Rezyklateinsatz, für den es zudem eine Mindestquote geben soll.

Ressourcen sparen durch Kreislaufwirtschaft

Kunststoffe im Kreislauf zu halten spart nicht nur wichtige Ressourcen, sondern auch CO2 ein. Im Jahr 2019 wurden 53 Prozent der Kunststoffe energetisch verwertet und können so nicht mehr aus Ausgangsstoff für neue Verpackungen dienen. So berichtet Dr. Peter Orth von Orth Plastics Consulting in seinem Vortrag „Rezyklat-Aufkommen und -Einsatz erhöhen“, dass der Anteil von Rezyklaten in der gesamten Kunststoffbranche bei nur knapp 14 Prozent liegt. Als wirksame Maßnahmen zur Erhöhung der Rezyklatquoten wurde neben „design for recycling“, also einer Auslegung der Verpackung zum einfachen Recyclen, auch die Themen effektive Abfallsammlung bzw. -trennung und der verpflichtende Einsatz von Rezyklaten angesprochen.

Sind Biokunststoffe eine Alternative?

Eine Alternative zu fossilen Plastik sind Kunststoffe, die auf biologischen Materialien basieren, so genannte Bio-Kunststoffe. Hier unterscheidet man im wesentlich in bio-basierte und bio-abbaubare Polymere. Denn nicht jeder Kunststoff, der aus pflanzlichen Materialien hergestellt wird, ist auch kompostierbar. Laut Dr. Inna Bretz vom Fraunhofer UMSICHT können bekannte Kunststoffe wie PET und PE auch aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden, unterscheiden sich aber in Ihrer Stabilität nicht von den Erdöl-basierten Materialien. Auch bei den bio-abbaubaren Kunststoffen werden teils sehr spezifische Abbaubedingungen benötigt, die so in der Natur oft nicht gegeben sind. Deswegen ist auch für diese Materialien eine richtige Entsorgung wichtig. Damit ein Material als Industriell kompostierbar gilt, muss es verschiedene Tests nach internationalen Normen bestehen.

Der Weg zur Zero Waste City

Unabhängig von den verwendeten Materialien muss es gelingen, die wertvollen Ressourcen, die in Kunstststoffprodukten stecken, im Kreislauf zu halten und Müllmengen aktiv zu reduzieren. Eine Möglichkeit hierfür ist die Entwicklung von Städten zu so genannten „Zero Waste Cities“. Dr. Norbert Stamm von der Stadt Augsburg, regionaler PLASTECO-Partner, stellte hierzu die ersten Bestrebungen der Stadt Augsburg vor, sich in Richtung Kreislaufstadt bzw. Low Waste City zu entwickeln. Ein Ziel, das auch im Koalitionsvertrag der Stadt Augsburg hinterlegt ist. Wie sich eine bayrische Großstadt zur Zero Waste Stadt entwickeln kann, zeigte Günther Langer, Circular Economy Experte des Abfallwirtschaftsbetriebs München.  Seit mehreren Jahren arbeitet die Stadt München konsequent an der Vermeidung von Abfällen und ist eine der wenigen Zero Waste Städte Deutschlands. Als Maßnahmen setzt die Stadt Augsburg zum Beispiel auf ein großes Einkaufshaus für Gebrauchtwaren sowie Aufklärungsworkshops für Bürger.

Nach der Mittagspause wurden dann an insgesamt vier Thementischen die Themen „Wie kann Augsburg zur Low Waste City werden“ und „Welche Hürden gibt es für regionale Unternehmen, nachhaltige Kunststoffe einzusetzen“ diskutiert, wobei sich spannende Impulse für den weiteren Projektfortschritt und die Entwicklung des Projektes in der Region ergeben haben.

Einig waren sich die Vortragenden besonders darin: Der beste Müll ist der, der nicht entsteht und die Defossilisierung ist ein wichtiger Schritt in Richtung Klimaschutz.

Eindruck vom 5. Stakeholdertreffen der PLASTECO Projektgruppe
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