Unverpackt einkaufen – so geht’s

Unverpackt-Läden aus der Region stellten sich bei unserem Online-Infoabend Ende Januar 2023 vor und beantworteten Fragen rund um verpackungsfreies Einkaufen

Regional, Bio und nur kaufen, so viel man braucht … das sind die Vorzüge eines Unverpackt-Ladens. Zudem spart jeder unverpackte Einkauf eine Menge Müll, denn eingekauft wird mit eigenen Gefäßen, wie etwa Schraubgläsern, Baumwollsäckchen oder anderen sinnvollen Transportgefäßen. Einfach zu Beginn die Behälter wiegen, das Gewicht auf den Gläsern notieren oder mit einem Zettel aufkleben, mit dem gewünschten Produkten befüllen und dann an der Kasse das bezahlen, was nach Abzug des Behältergewichts übrig bleibt. Das geht wirklich sehr einfach!

Mehl, Nudeln oder Schokolade – einfach alles selbst einfüllen

Jede*r kümmert sich also um den eigenen Einkauf, so dass man ganz in Ruhe die gewünschten Produkte aussuchen und abfüllen kann. Wer dabei Hilfe braucht, wird vom Personal gerne unterstützt. Zu kaufen gibt es alles, was man zum täglichen Leben so braucht: von Nudeln und Reis, über Mehl und Getreide bis hin zu getrocknetem Obst und Süßigkeiten, Ölen, Putz- und Waschmittel. Alles was schwer offen zu verkaufen ist, kommt in Pfandgläsern. Auch hier gibt es mittlerweile eine reichhaltige Auswahl an Produkten: vom veganen Brotaufstrich bis zum Ketchup.

Vorurteile beim unverpackt Einkaufen

Leider haben viele Menschen noch Vorbehalte gegenüber unverpacktem Einkaufen: „Zu umständlich, keine Parkmöglichkeiten oder zu teuer,“ sind häufige Bedenken. Die Preise in den Unverpackt-Läden gleichen jedoch denen eines Bio-Ladens. Bei Gewürzen etwa liegen sie sogar darunter. Geld spart man auch, weil man nur die benötigten Mengen kauft. Das kommt gerade Single-Haushalten zu Gute. „Außerdem gibt es bei uns viele langlebige oder wiederverwendbare Produkte, die nur einmal bei der Anschaffung etwas mehr kosten und sonst viel Geld sparen. Dazu zählen etwa Rasierhobel oder Mensturationstassen,“ erklärt Ramona Dorner von RutaNatur, die 2016 den ersten Unverpackt-Laden in der Region Augsburg eröffnete, einen Aspekt des Zero-Waste-Lebensstils.

„Viele Kund*innen denken, es sei sehr kompliziert“, bestätigt auch Daniela Gutmann von Unverpackt Weißenburg. „Dabei ist es eher einfacher, denn das Sortiment beschränkt sich auf eine Sorte je Produkt.“ Sie rät, sich schon zu Hause eine Einkaufsliste zu machen und dann gezielt die Produkte abzufüllen. Schon allein die beschränkte Ladenfläche der Läden sorgt dafür, dass die Wege und die Schlange an der Kasse kurz sind. Und für ein Schwätzchen mit der Landenbesitzerin ist immer Zeit. Gerade mit Daniela, die hier ihre soziale Ader ausleben kann.

Café trinken statt Kassenterror

Lebensmitteleinkauf als soziales Event – das ist der Charme, den unverpacktes Einkaufen hat. Statt stressigem Einkauf im Riesensupermarkt mit unzufriedenen Kassiererinnen bleibt am Ende noch Zeit für einen Kaffee in der kleinen Sitz-Ecke, den alle vorgestellten Läden anbieten.

Wer also stressfrei im Unverpackt Laden einkauft, schont nicht nur Ressourcen für unnötige Verpackungen und kurze Transportwege, sondern unterstützt auch die eigenen Region und schafft faire Arbeitsplätze. Die Läden sind inhabergeführt und sorgen daher dafür, dass das Geld auch hier bliebt. Die Produkte kommen hauptsächlich aus der Region und unterstützen lokale Produzent*innen. So ein Unverpackt-Laden sind quasi ein Entwurf für den nachhaltigen Lebensstil, den es braucht, um dem Klimawandel entgegenzuwirken.

Unverpackt-Laden als Bildungsort

Deshalb finden in allen Läden auch regelmäßig Führungen für Schulklassen oder Erwachsenen, wie etwa bei nachhaltigen Stadtführungen, statt. Sarah Hertle vom Friedberger Laden „Ich BIN’s“ war in ihrem früheren Leben Grundschullehrerin und hat sogar eine Mappe entworfen, welche die Lehrkräfte vor dem Besuch mit den Schüler*innen durchnehmen können. Mittwochs bleibt der Laden geschlossen, damit dort Bildungsarbeit stattfinden kann.

Obwohl Unverpackt-Läden mit ihrem Konzept einen wichtigen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leisten, sind sie vor allem ein Wirtschaftsunternehmen. Damit unterliegen sie wirtschaftlichen Zwängen und müssen Gewinn abwerfen, damit die Inhaber*innen davon leben können. Die vergangenen Krisen-Jahre haben in der Branche Spuren hinterlassen. Viele Läden mussten schließen oder halten sich nur knapp über Wasser – vor allem die Läden, die schon lange bestehen, müssen wegen Corona, Energie-Krise und Inflation Einbußen in Kauf nehmen.

Genossenschaft als Trägerin in Schwabmünchen

In Schwabmünchen hilft es, dass der Laden „Die Krämerin“ von einer Genossenschaft von mehr als 200 Mitglieder getragen wird. Neben den angestellten Ladner*innen helfen die Genoss*innen etwa bei der Belieferung des Ladens, beim Auffüllen und Saubermachen oder bei der Inventur. „Sie sind auch dabei, wenn man einen Lieferbetrieb besucht, wie etwa die Kaffeerösterei Bohnenschmiede in Wehringen,“ erzählt Krämerin-Verkäuferin Theresa Müller. „Natürlich ist geschäftlich Luft nach oben, aber es läuft gut. Besonders beliebt ist die Theke mit regionalem Käse.“

Regionalität ist auch Gila Richter von AuxburgUnverpackt ganz wichtig. Daher gibt es manches wie Reis oder Tofu auch ohne Biozertifzierung. Aber das macht nur etwas vier Prozent Gesamtsortiments aus. Lange Zeit gab es auch Leinsamen statt Chia-Samen im Lechhausener Laden, weil Chia-Samen eben nicht in der Region erhältlich waren. Nun hat Gila einen bayrischen Lieferanten gefunden. „Bei mir ist auch die Abteilung aus regionalen Bio-Gemüse sehr gefragt. Im Sommer bekomme ich das Biogemüse aus der Gärtnerei des Gourmet-Restaurants „Alte Liebe“. Den Betreibe kenne ich noch aus Schultagen“, erzählt Gila.

Donauwörth: Autarkes Tiny Haus am Rande einer Streuobswiese

Magdalena Schmid aus Donauwörth ist noch einen Schritt weiter gegangen. Sie wollte nicht nur das Konzept unverpackt Einkaufen anbieten, sondern zeigen, wie es komplett klimaneutral geht. Sie baute am Rand einer Streuobstwiese auf dem Grundstück ihrer Eltern ein Tiny Haus mit Solaranlage und Brauchwasser. Mit dem Wagen Ladencafé schafft sie es auf knapp 16 Quadratmeter knapp 400 Artikel anzubieten, eine kleine Auswahl an Obst und Gemüse, einen kleinen Kühlschrank mit Milchprodukten sowie ein kleines Café. Für diese Anstrengungen hat sie sogar den Umweltpreis Donauwörth bekommen.

Ladenbetreiber*innen aus Leidenschaft

Alle Ladeninhaber*innen machen ihren Job aus Überzeugung und freuen sich, dass sie einen Beitrag für eine klimafreundliche Welt leisten können. Sie stehen beispielhaft für die vielen hundert Unverpackt-Läden, die es mittlerweile gibt und die sich zwischen ökologisch-sozialer Transformation, ständigen Krisenszenarien, Inflation und den eingefahrenen Gewohnheiten im stressigen Alltag vieler Menschen behaupten müssen.

Deshalb ein Appell an alle, die einen Beitrag zur klimafreundlichen Zukunft leisten wollen: Geht in den Unverpackt-Läden unserer Region einkaufen! Eine Übersicht über alle Läden mit unverpackten Angebot findet ihr auf unserer Seite oder auf der Seite des Unverpackt-Verbands.

Wer den Abend in ganzer Länge sehen möchte, findet die Aufzeichnung auf unserem YouTube-Kanal:

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